Interview: „Nur als Team hat man eine Chance!“

Das amtierende Cosplay-Meister-Paar: Hemmi und Tani

 

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Kurz vor dem Finale der Paarmeisterschaft 2014 werfen wir einen Blick auf das, was die nächsten Gewinner erwartet. Da Einzel- und Paar-DCM immer im Wechsel stattfinden, haben wir jetzt das Gewinner-Paar von 2012 zum Interview getroffen.
Anita „Hemmi“ H. und Tanja „tani“ K. sind beide 29 Jahre alt und wohnen in der Nähe von Nürnberg. Sie begeisterten uns beim DCM-Finale mit gigantischen Kostümen und einem Comedy-Feuerwerk, wofür sie mit einer Japan-Reise belohnt wurden. In diesem Jahr haben sie gemeinsam mit „Atsusa“ und „Naraku“ Deutschland beim ECG (European Cosplay Gathering) in Paris vertreten!

Jetzt erzählen sie uns von ihrer Vorbereitung auf das DCM-Finale, von den gemeinsamen Abenteuern in Japan, und sie verraten ihr Rezept für ein erfolgreiches Paar-Cosplay…

 

Hallo ihr beiden! Die DCM 2012 ist ja schon eine Weile her. Erzählt doch mal, was ihr beim Finale gemacht habt.

Hemmi: Auf der Bühne? Na wir haben eigentlich nur Schwachsinn gemacht. (Lacht) Wir haben einen auf Witz gemacht, Witz und Epicness. Ich bin die böse Medusa mit den Schlangen, ich trete auf mit Nebel und… ja, dann kommt halt meine Gegenspielerin, quatscht mir dazwischen wie Sailor Moon! Da hab ich mich ganz groß gemacht auf der Video-Leinwand und hab versucht sie plattzumachen, was mir aber leider nicht gelungen ist.

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Hemmi als Medusa (Kid Icarus)

Tani: Unser Problem war, dass die Kostüme so ausladend waren, dass wir keine andere Wahl hatten, als mit einer Videoprojektion zu arbeiten. Hemmi konnte sich überhaupt nicht rühren, weil sie Schlangen auf dem Kopf hatte und ungefähr 30 Meter Stoff drumherum. Medusa kann sich auch im Spiel riesig machen, das haben wir dann mit dem Video simuliert und ich hab mit der Leinwand interagiert. Obwohl uns von allen Seiten gesagt wurde: Macht das nicht! Jeder fällt damit aufs Maul! Aber irgendwie scheint’s den Leuten dann doch gefallen zu haben. Wir machen sehr gerne Parodie und versuchen das Publikum mit Witz zu unterhalten. Wir haben einen Gag nach dem anderen rausgehauen, und, ja, am Ende hab ich Medusa besiegt. (Lacht)

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Tani als Palutena (Kid Icarus)

Comedy ist wohl eure Spezialität?

T: Ja! Wir haben bis jetzt eigentlich alle Auftritte auf Comedy gemacht.

H: Wir haben auch net damit gerechnet, dass wir überhaupt irgendwas gewinnen, sondern wir wollten einfach unser Ding durchziehen. Wir haben gedacht: Oh, wir haben ne saugeile Idee, und die wollen wir unbedingt auf die Bühne bringen.

Warum habt ihr euch diese Charaktere ausgesucht?

T: Wir haben uns in das Design verliebt. Damals brachte Nintendo das Spiel („Kid Icarus“) gerade raus und das war dann einfach so ein neues, tolles Design. Ich mag Cosplays, an denen viele Bastelelemente dran sind, weil ich mehr der Bastler bin, Hemmi ist halt der Näher im Team.

Wir haben gesagt: Wenn wir ins Finale kommen, wollen wir im Finale was Besseres, Größeres bringen als im Vorentscheid. Palutena und Medusa waren für uns eine Herausforderung. So schwere Kostüme haben wir bisher noch nie gemacht, ob wir das überhaupt schaffen? Also es war dann wirklich so die Frage, ob alles hält, auf dem Kopf und alles… (Lacht)

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„Jedes Kostüm braucht ein Highlight“

Ihr habt’s aber vorher mal probegetragen?

H: Ja. Wir haben zuerst Medusa fertiggestellt, um das Video für den Auftritt zu drehen.

T: Das Video muss eine Woche vorm Finale eingereicht werden. Und deswegen war das für uns auch der Probelauf, ob das überhaupt funktioniert, ob die Schlangen halten. Und beim Videodreh…

H: …ging dann auch erst mal einiges schief.

T: Ja, weil wir Idioten gedacht haben: Oh, sie ist weiß im Gesicht, wir werden den ganzen Körper weiß anmalen, was aber Mist ist. Bitte benutzt niemals Fettschminke auf Körperstellen, die man knicken muss!

H: Die filigranen Muster in der Armbeuge waren alle weg.

T: Und dann mussten wir noch schnell zum Finale umdisponieren. Wir haben dann einen Body genommen und die Sachen draufgeklebt. Es ist immer gut, die Sachen vorher zu testen. (Lacht)

H: Das dürfen wir wahrscheinlich keinem erzählen, aber es war auch sehr viel Heißkleber im Spiel!

T: Das sind einfach keine Kostüme, die man nur mit Nähen lösen kann. Wenn du so viele Bastelelemente hast… Enstprechend war das dann auch beim Ausziehen: Wie komm ich da jetzt wieder raus? Ratsch! Ich bin draußen! (Lachen)

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„Lasst euch helfen, lasst euch beraten, aber lasst euch nicht reinreden!“

 

Schaut ihr euch auch bei anderen Cosplayern lieber Kostüme an, die nicht nur genäht sind?

T: Auf jeden Fall. Ich finde, ein Kostüm sollte auch irgendwo ein Highlight haben, wo direkt der Blick drauf fällt. Einen schönen Kopfschmuck oder Flügel, oder wenn die Perücke hervorsticht oder dass man LEDs mit reinbringt. Das macht ein Cosplay ganz besonders, wenn du irgendwo ein Glitzerelement drin hast, wo sofort die Blicke drauf fallen. Dann ist es nicht so wichtig, wenn man das Cosplay von innen nicht so sauber genäht hat und es auch auf links anziehen könnte.

Das Gesamtbild finde ich wichtiger als jede saubere, ach so filigrane Naht, damit jetzt alles symmetrisch zueinander ist.

H: Sagen die, die’s halt net können, ne… (Lachen)

T: Ja, uns wurde gesagt: Mit den Cosplays könnt ihr sowieso nix reißen bei der DCM. Das war unsere erste DCM, und es gab viele Gründe, die gegen uns sprachen…

H: Unsere Kostüme waren sehr aufwändig.

T: Davor hieß es ja immer, zur DCM besser nix so Aufwändiges, weil du dann zu viele Punkte im Detail verlieren kannst. Aber das war uns egal. Die Idee stand schon vorm Vorentscheid. Wir wussten, wie der Auftritt auszusehen hat, und da darf man sich auch von niemandem reinreden lassen. Denn wenn man ne Vision im Kopf hat, dann muss man das auch durchziehen. Und dann wird’s auch meistens gut, wenn man mit Leidenschaft dabei ist.

H: Und das waren wir.

T: Wenn man mit Herzblut dabei ist, ich glaub die Jury merkt das auch. Die merkt das einem an, wenn man sagt, das ist mein Traumcosplay, oder das ist ein Auftritt, wo ich dahinterstehe.

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Hemmi und Tani in Tokyo

 

Was habt ihr gedacht, als es hieß, ihr fliegt jetzt nach Japan?

H: Haben wir nie mit gerechnet, mir ist echt das Gesicht runtergefallen, totales Blackout.

T: Es war wirklich ein wahnsinniger Moment, und man braucht erst so seine Stunde, bis man das alles verarbeitet hat.

H: Vor allem ist das so ein Traum gewesen, einmal nach Japan zu fliegen.

T: Ja, ich glaube von jedem, der an der DCM teilnimmt.

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„Einfach mal losziehen und entdecken“: Gundam-Café

Ihr wart also zum ersten Mal in Japan? Wie habt ihr euch denn auf die Reise vorbereitet?

T: Wir haben natürlich gegoogelt, was das Zeug hält. Wir haben auch Dinge ergoogelt, die es dann in Japan gar nicht mehr gab. (Lacht)

H: Im strömenden Regen: Wo is’n das, das muss doch hier irgendwo sein!

T: Oh, es hat schon 2010 zugemacht! Sowas Blödes! (Lachen) Aber ich finde, das gehört dazu. Man soll sich zwar vorbereiten, wenn man nach Japan fliegt, man sollte aber auch einfach mal nur losziehen und entdecken.

H: Über 60% haben wir so entdeckt.

T: Dieser riesige Gundam zum Beispiel (Kampfroboter aus der gleichnamigen Anime-Reihe). Wir waren eigentlich unten am Hafen, um da ins Onsen (japanisches Badehaus) zu gehen, und sahen dann schon aus der Bahn raus so einen riesigen Gundam, der so groß war wie ein Hochhaus, wie viel hatte der, 15 Meter?

H: 10, 12 Meter, glaube ich.

T: Und du siehst dann so aus der Entfernung, da ist ein Gundam. Der bewegt sich. OK, da gehen wir hin!

H: Wir haben drauf gewartet, dass er wegfliegt…

H: Das war das Gundam-Café, und dann steht dieses Ding da halt drin.

T: Und das bewegt sich dann ungefähr alle zwei Stunden mal und bewegt den Kopf, lässt ne kleine Lasershow ab und Rauchwolken, und man denkt wirklich, der schießt jetzt gleich Kanonen ab, also war schon sehr interessant.

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„Unglaublich. Aber das ist Japan!“

 

Ihr seid also als Anime-Fans voll auf eure Kosten gekommen?

H: Oh ja. Dementsprechend gibst du dann natürlich auch Geld aus, ne.

T: Auf einmal waren 300 Euro weg! (Lachen) Nach drei Tagen Sucherei haben wir tatsächlich auch das Pokémon-Center gefunden, Gottseidank haben die sonntags auch auf, und da war gerade der Tag, wo der neue Film rauskam, nur japanische Kinder da, aber das war egal. Wir waren wieder in einem kleinen Kaufrausch, weil’s da so viele tolle Sachen gibt. Das ist nicht vergleichbar mit dem Händlerraum auf einer Convention. Das ist ein riesiger Laden mit so vielen hochwertigen und kuriosen Sachen, wo man wirklich sagt, das ist das Geld auch wert.

H: Auf jeden Fall müsst ihr euch merken, wir haben viel zu viele Klamotten mitgenommen. BITTE! Nehmt weniger mit! Sonst könnt ihr nicht so viel kaufen!

T: Ihr braucht den Platz im Koffer. (Lachen)

H: Viel mehr Platz, das war der Hammer.

T: Ja und dann waren wir natürlich zwei Tage lang nur in Akihabara, dem Anime-Szeneviertel. Weil ein Tag nicht reicht.

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Tani im Cosplay-Perücken-Wunderland

 

Was hat euch denn auf eurer Reise am meisten beeindruckt?

H: Tokyo ist ja sooo voll mit Menschen! Aber man muss sagen, die sind wenigstens alle supernett!

T: Wir können gar kein Japanisch, außer n paar Wörter. Wir hatten natürlich diese Sprachbarriere. Die war ein Problem beim Essengehen, wenn du Karten hast, wo alles in Kanji (chinesisch-japanischen Schriftzeichen) steht, sogar die Preise in Kanji da stehen, dann helfen dir die schönen Auslagen mit dem Plastikessen auch nichts mehr. (Lacht) Aber die U-Bahn ist absolut kein Problem als Auswärtiger, weil sie so übersichtlich ist.

H: Und jede U-Bahn-Station riecht anders. Und hat einen anderen Sound, zum Beispiel ein Vogelzwitschern.

T: Wir hatten echt kein Problem, uns in dieser Metro zurechtzufinden. Wir wussten immer, was wir bezahlen mussten, in den meisten Fällen stand auch das Ganze in Englisch da, also da muss sich wirklich keiner Gedanken machen. Wir waren letztens in Paris und da hatten wir mehr Probleme als in Tokyo! (Lachen) Man muss auch sagen, auch wenn wenige Japaner Englisch sprechen… Trotzdem sind sie alle sehr hilfsbereit.

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Hemmi im Selbstversuch

H: Zum One Piece-Shop – mein El Dorado! – hat uns sogar ein netter Herr hingeführt, weil wir den Weg nicht finden konnten. Der hat gesagt, oh ich stell mein Fahrrad jetzt einfach mal ab, und dann folgt ihr mir einfach, da drüben ist es dann.

T: Unglaublich nett, unglaublich zuvorkommend. Diese japanische Mentalität ist einfach Wahnsinn. Die sind natürlich viel in Hektik, viele laufen mit Scheuklappen durch die Gegend, aber wenn du wirklich Hilfe brauchst, merken sie das und helfen dir auch. Das ist in anderen Städten leider nicht so gang und gäbe. Da ist es mehr so ein: Oh, Touristen! Die können wir ausnehmen, die können wir um ihr Geld betrügen! Das merkt man dann richtig, wenn dich die Leute anquatschen, dann sind sie nur darauf aus, dir Geld aus der Tasche zu leiern, und sowas gibt’s in Tokyo nicht.

H: Es war echt ein Traum-Urlaub, muss man sagen. Also es war echt saugeil!

T: Es war anstrengend, definitiv, wir sind glaub ich jeden Tag fünf Kilometer gelaufen, abends brennen einem die Füße, aber man macht es einfach mit – es ist einfach ein Erlebnis. Ja. Man kann es mit nix anderem vergleichen.

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Kommen wir noch einmal zum Cosplay zurück. Seid ihr auch da ein festes Team?

T: Ja, wir cosplayen fast immer zusammen, weil ich ein schlechter Näher bin, geb ich offen und ehrlich zu, und deswegen übernehm ich die Bastelsachen und die Malarbeiten, Hemmi macht dann meistens die Nähsachen und die Perücken. Auch wenn wir in verschiedenen Gruppen sind, machen wir trotzdem die Kostüme zusammen.

Habt ihr auch mal Meinungsverschiedenheiten, was die Cosplays angeht? Gerade bei Wettbewerben hat man ja im Vorfeld viel Stress.

H: Bis jetzt gab’s da noch nie Streitereien. Wir sind eben eine Gruppe. Das war auch bei der DCM so. Wir haben zuerst Medusa fertig gemacht, weil wir ja das Video für den Auftritt drehen mussten, und Palutena war noch ziemlich hinten dran. Und das war echt stressig. Aber es wäre nie dazu gekommen, dass ich gesagt hätte, „Ey, du bist noch nicht fertig mit Palutena, Tani…“

T: Oder ich: „Das ist voll sch***, wieso machen wir dein Cosplay immer zuerst, und ich bin immer der, der nachher Stress hat!“

Bei euch gibt’s also richtiges Teamwork.

H: Es sind halt zwei Kostüme, es sind unsere Kostüme. Also wenn einer net fertig ist, dann sind wir beide net fertig.

T: Das würde ich auch wirklich jedem, der die Paar-DCM in Angriff nimmt, empfehlen. Man muss sagen: Man muss als Team zusammenarbeiten, und nicht: Der eine macht das Kostüm und der andere macht das Kostüm, und der eine steigt dem anderen aufs Dach, wenn’s nicht fertig wird. Man muss sich unterstützen. Man muss als Team zusammenarbeiten, auch was den Auftritt und alles angeht. Man muss ein Team sein, ich finde, nur als Team hat man Chancen weiterzukommen.

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In diesem Sinne fiebern wir dem Finale der 3. Paar-Meisterschaft entgegen! Seid dabei und drückt die Daumen, wenn unsere Finalisten am 12. Oktober die Bühne rocken. Hier seht ihr alle Cosplayer noch einmal im Überblick.

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