Interview mit Peter Müller, Organisator der DCM – Teil 2

Nun endlich folgt der zweite Teil des Interviews mit Peter „KenHopkins“ Müller, einem der Mitbegründer der DCM. Nachdem ihr im ersten Teil bereits etwas über den Privatmenschen und Cosplayer hinter dem Namen erfahren konntet, wird es heute um die DCM gehen. Wir wünschen euch viel Spaß beim Lesen!

 
Fotograf: AB_the_diablo
 
Wie ist das mit der DCM eigentlich entstanden?
Im Grunde aus meiner Vergangenheit als Cosplayer, Jurymitglied und Organisator bei verschiedenen Wettbewerben.  Damals gab es noch keine wirklich ausgearbeiteten Bewertungssysteme. Und erst recht kein Einheitliches. Viele Entscheidungen waren leider nicht nachvollziehbar. Teils wurde rein nach Gefallen gewertet, obwohl die Punkte etwas anderes sagten, oder ein Juror überwertete schlichtweg die anderen Juroren. Auch wurden Auftrittszeiten gerne mal mitten im laufenden Wettbewerb gekürzt, da ansonsten das Programm zu sehr in Verzug geraten wäre. Irgendwann kam mir der Gedanke, dass ich gerne einen Wettbewerb sehen würde, der auf Cosplayer zugeschnitten ist. Vor allem große Wettbewerbe waren/sind hier sehr oft rein vom Show-Gedanken getragen und auf Medienwirksamkeit ausgelegt. Da mir dies nicht gefiel, habe ich mich hingesetzt und angefangen, ein Regelwerk zu schreiben. Hierbei war es mir wichtig, dass nur die Punkte bewertet wurden, welche auch ernsthaft bewertbar waren. So macht der Punkt „Ähnlichkeit“ einfach keinen Sinn, solange man kein Bild des Charakters zum Vergleich vor sich liegen hat. Und auch die Machart, ohne das Kostüm genauer betrachten zu können, ist ehrlich gesagt kaum bewertbar, so dass hier eine getrennte Kostümbewertung eben die perfekte Lösung war.

Fotograf: AB_the_diablo

Und wie kam es vom allgemeinen Regelwerk dann schließlich zur DCM?
Während ich über neue Bewertungsmöglichkeiten nachdachte, kam Jan Weber mit der Idee, einen deutschlandweiten Wettbewerb aufzuziehen, auf mich zu. Wir haben darüber geredet und ich habe das erste Konzept entworfen. Der Entwurf lief noch unter dem Namen „German Cosplay Mastership“. Bei einem Treffen mit dem Animexx-Vorstand und Vertretern der Frankfurter Buchmesse auf der Yuki Con in Stuttgart wurde 2006 der Name auf „Deutsche Cosplay Meisterschaft“ geändert und im Grunde war das Konzept auch schnell abgesegnet und in trockenen Tüchern.  

Und die Frankfurter Buchmesse war von Anfang an mit an Bord?
Ja, da herrschte von vornherein Begeisterung. Ich hatte im Jahr zuvor dort den Cosplay-Wettbewerb organisiert und man war wohl ziemlich angetan davon, wie reibungslos das abgelaufen war. Mir war es auch wichtig, dass wir eine sozusagen szenefremde Veranstaltung für das Finale begeistern konnten, denn würde man das auf einer reinen Convention durchführen, könnten sich die verschiedenen Veranstaltungen mitunter in die Quere kommen. Außerdem gibt es auf der Buchmesse beste Voraussetzungen in technischer Hinsicht und die Möglichkeit für Generalproben, was auf Conventions einfach nicht geht, da die Bühnen den ganzen Tag über belegt sind.

Fotograf: AB_the_diablo

Habt ihr wirklich damit gerechnet, dass sich die DCM so positiv entwickeln und in der Szene etablieren würde?
Gezweifelt habe ich für meinen Teil nie daran. Mir war klar, dass das, was wir da machen, eine gute Sache ist. Und wir haben über die Jahre auch viel am Wettbewerb, am Bewertungssystem und an der Gesamtorganisation gearbeitet. Kritik aus der Szene und vor allem von Teilnehmern nehmen wir hierbei sehr ernst und was sinnvoll ist und den Wettbewerb verbessert, wird in die DCM auch eingebaut. Denn dies ist eine der größten Stärken der DCM: Der Wunsch von Cosplayern, für Cosplayer einen fairen Wettbewerb zu organisieren.

Gibt es eigentlich Tipps, die du den Teilnehmern mit auf den Weg geben kannst?
Ich könnte jetzt sagen, dass man sich an die Originalvorlage halten sollte. (lacht) Aber eigentlich denke ich, dass es wichtiger ist, Spaß an der ganzen Sache zu haben und locker in die Bewertung rein zu gehen. Denn auch unsere Juroren freuen sich, wenn sie mit hilfreichen Tipps den Teilnehmern weiterhelfen können. Und vor allem Neulinge können hier natürlich noch sehr viel lernen. Gerade bei der DCM wird man hinterher eigentlich immer wissen, welche Stärken und Schwächen man in puncto Cosplay hat. Und das bringt einen auch oft persönlich weiter.

Man hört aber auch oft, dass die Regeln der DCM zu streng wären…
Wir haben natürlich ein umfangreiches Regelwerk. Und dieses ist auch nötig, um den Teilnehmern einen fairen Wettbewerb zu garantieren. Einerseits enthält es klare Regeln für die Juroren und die Veranstalter, andererseits kann sich nun mal niemand auf einen Wettbewerb einstellen, wenn es keine klaren Regeln gibt. So wüsste zum Beispiel beim Fußball auch niemand wie, warum und wer einen Ball einwerfen darf, wenn es keine klare Regel dafür gäbe. Klare Regeln sind einfach notwendig, damit der Schiedsrichter/Juror eben nicht nach seiner eigenen Meinung bewertet, wie es ohne klare Regeln doch oft der Fall ist. Hier muss ich allerdings auch gestehen, dass die Punkte Machart, Ähnlichkeit, Präsentation selbst mit vorgezogener Kostümbewertung oft zu schwammig waren. Denn jeder Juror konnte diese Punkte für sich auslegen. So achtete der eine vor allem auf die Näharbeiten, der nächste auf Proportionen, usw. Durch das neu entworfene Bewertungssystem für 2012 ist es allerdings gelungen, auch dies für die Jury gleichzuschalten. Nun sind Bastelarbeiten, Näharbeiten, Farbgenauigkeit, Materialwahl und weitere Punkte fest vorgegeben und jeder dieser Punkte ist exakt 5% wert. Und wie die ersten Wettbewerbe gezeigt haben, sind die Ergebnisse – im Vergleich zu anderen Systemen – unglaublich gleichwertig.

Fotograf: AB_the_diablo

Gibt es etwas, worauf du dich im Rahmen des Wettbewerbs immer besonders freust?
Feierabend! (lacht) Nein, also das Schönste für mich ist das gemeinsame Abendessen der Teilnehmer am Abend vor dem Finale. Da herrscht immer eine so harmonische und lustige Stimmung, die ich einfach nur genieße und die mir zeigt, dass sich die Arbeit über die Saison hinweg wieder vollkommen gelohnt hat. Auch ist es einfach nur schön zu sehen, wie viele Teilnehmer inzwischen gute Freunde durch die DCM geworden sind. Das Finale auf der genialen FBM Bühne ist dann natürlich noch der krönende Abschluss der Saison.

Wir bedanken uns für das Interview und hoffen, dass Peter die DCM noch lange mit so viel Leidenschaft leiten wird wie bisher.

Eine Antwort zu “Interview mit Peter Müller, Organisator der DCM – Teil 2”

  1. jacky jay sagt:

    Ein schöner Abschluss des Interviews, ich freue mich schon darauf, mir das ganze dann nächstes Jahr hoffentlich auch mal ansehen zu können. ;D