Die Macher
Auszüge eines Interviews für die Koneko 29 im Herbst 2008. Die Fragen wurden von Karen Heinrich gestellt.
Koneko: Wie viele Leute arbeiten eigentlich inzwischen bei der DCM mit, und in welchen Bereichen?

Jan Weber
Wolle Strzyz: Barbara Roelle und ich vertreten die Frankfurter Buchmesse (FBM) und organisieren dort das Fantasy Final, das große Finale.
Peter Müller: Meine Aufgaben als fachlicher Leiter sind das Festlegen der Regeln, die Auswahl der Jury, Nachkontrolle aller Unterlagen [...] Ich bin Ansprechpartner für alle Teilnehmer und wickle die Anmeldungen ab.
Es unterstützen uns aber viele wichtige Personen, ohne die wir das in der Form gar nicht hinkriegen würden. Zum Beispiel die Pressesprecherin, beratende Mitglieder und die ganzen Helfer bei den einzelnen Vorrunden und dem Finale.
Wolle: Man darf sich das Ganze jedenfalls nicht als geschlossene Veranstaltung vorstellen!
Koneko: Die DCM ist eine Zusammenarbeit von animexx e.V. und der Frankfurter Buchmesse. Wie arbeiten die beiden zusammen?
Jan: Die FBM übernimmt die finanzielle und organisatorische Verantwortung für das Finale, der animexx e.V. dasselbe für die Regionalveranstaltungen.
Wolle: Es gibt über das ganze Jahr hinweg einen regelmäßigen Austausch. Konkret sind Barbara und ich eher für die Orga des Finales zuständig (Saal, Technik, Finanzen, Übernachtungen usw.) Die Presseabteilung der Buchmesse unterstützt uns ebenfalls. Und natürlich organisieren wir die einmaligen Preise, wie die Flugreise mit JAL nach Japan oder die zehn signierten Manga! In bestimmten Situationen kann außerdem die Stellung der Frankfurter Buchmesse sehr hilfreich sein, wenn die Position von animexx nicht stark genug ist.
Peter: Ich gehöre nicht wirklich zu einer der beiden Seiten - ich mach das ganze als Cosplayer für Cosplayer. Um unser Hobby zu fördern. Denn Cosplay ist mehr als nur ein nötiger Programmpunkt auf einer Con!
Koneko: Wie werden die Regeln für die DCM gemacht, woher kommen Ideen für Änderungen?

Peter Müller
Peter: Ich habe viele internationale Regelwerke gelesen, diese bestanden jedoch meist nur aus einer kurzen Erläuterung des Bewertungsbogens. Darum war es für mich wichtig ein Regelwerk zu schreiben, welches für alle Parteien klare Richtlinien aufstellt. Dazu setzte ich mich 2006 fast ein Vierteljahr an die erste Version des DCM-Regelwerkes und optimiere es seither immer weiter. Die wichtigste Quelle für Ideen und Änderungen ist also die Erfahrung. Denn bei jeder Vorrunde, jedem Finale, jedem sonstigen Cosplaywettbewerb, den ich organisiere, lerne ich weiter hinzu. Ich habe dieses Jahr oft gehört, dass die DCM mit ihrem Regelwerk viel zu ernst sei. Und das ist auch richtig. Jedoch nicht für die Cosplayer, denn diesen wird ein fair geregelter Wettbewerb geboten. Die Personen, welchen die DCM das Leben „erschwert“, sind die Juroren und die Veranstalter der einzelnen Wettbewerbe.
Koneko: Wie kam eigentlich das Cosplay auf die Frankfurter Buchmesse?
Wolle: Die ganz normale Entwicklung – erste Veranstaltungen zu Manga, erste Signierstunden mit deutschen und internationalen Mangaka, das „Wer-wird-Manga-Millionär“-Quiz. Ab 2004 dann regelmäßig Cosplay, im ersten Jahr auf der Bühne im Forum des Comic-Zentrums (schauder, war das eng!), im nächsten Jahr im Buchmesse-Kino und ab dann im Saal Harmonie.
Peter: Ich habe für die Buchmesse 2006 das Cosplay organisiert. Da sie doch sehr zufrieden waren, konnten wir ihnen dann auch sowas wie die DCM anbieten.
Wolle: Lose Kontakte zu animexx gab es schon im ersten Jahr von Faszination Comic (2000), weil damals klar wurde, dass Manga in Deutschland eine große Sache werden würde (Sailor Moon und Dragon Ball waren in aller Munde). Und über Manga kommt man halt schnell zur gesamten kulturellen Auswirkung, also auch zu Cosplay. Die Zusammenarbeit in punkto DCM entstand Ende 2006 auf der Hon-Con in Aschaffenburg, wo sich Jan und ich lange darüber unterhalten haben. Jan war auf der Suche nach einen potenten Partner, wir waren von vornherein Feuer und Flamme, weil wir einerseits den Cosplayern einen wirklich guten Rahmen für das Fantasy Final bieten können, und andererseits damit natürlich auch eine weitere äußerst attraktive Veranstaltung im Programm haben.
Koneko: Barbara, du bist erst seit diesem Jahr dabei. Was ist dein Bezug zu Cosplay?
Barbara Roelle: Mit Cosplay hatte ich vorher direkt noch nichts zu tun. Natürlich habe ich als Kollegin von Andrea Fiala, die den Comic-Bereich und damit auch die DCM betreut hat, einiges mitbekommen. Außerdem sind mir die tollen und extravaganten Kostüme schon vorher auf der Messe ins Auge gefallen. Natürlich ist das Thema Comic und Cosplay kein klassisches Buchmesse- oder Buchhandelsthema. Das macht es sehr spannend. Zudem hat man es mit ganz anderen Persönlichkeiten zu tun als mit den Ausstellern, die ich noch betreue.
Koneko: Was haben die Cosplayer von der Unterstützung durch die Buchmesse, was hat die Buchmesse von den Cosplayern?

Wolle Strzyz und Barbara Roelle
Jan: Zum einen ist dies der erste und bisher einzige Wettbewerb, bei dem sehr viel Geld ins Cosplay investiert wird. Die DCM kostet insgesamt einen zweistelligen Tausenderbetrag, so viel wird auf keiner Anime- und Manga-Convention in Deutschland im Bereich Cosplay investiert. Zum anderen schafft es gesellschaftliche Anerkennung für das Hobby. Gerade weil die FBM das Finale der DCM ausrichtet, zeigt man, dass Cosplay ein seriöses, kreatives Hobby ist.
Wolle: Ich denke, dass es eine gegenseitige Befruchtung ist, die da stattfindet. Für uns ist es so, dass mit den Manga-Fans ein neues Publikum die Buchmesse besucht. Es geht hier ja auch um die Leser von morgen. Wir hören von Nicht-Comic-Ausstellern, dass viele Cosplayer auch bei ihnen vorbeikommen. Das Interesse der Manga-Leser beschränkt sich also bei weitem nicht nur auf das Comic-Zentrum. Und für die Fans selber? Ich glaube, dass es neben der Wichtigkeit von Treffen innerhalb der Szene (Ani, Nichi usw.) sehr positiv ist, auch aus diesem inneren Kreis rauszukommen, um eben auch eine gewisse Akzeptanz bei Nicht-Cosplayern zu bekommen.
Koneko: Wie waren bisher die Reaktionen der Öffentlichkeit und der Presse auf die DCM?
Wolle: Die Presseresonanz war beim 1. DCM-Finale sehr groß. Vier oder fünf Fernsehbeiträge (unterschiedlicher Qualität), von denen wir wissen. Außerdem unzählige Online- und Zeitungsberichte. Wir hoffen ja, dass sich das Bild von Cosplay in der Öffentlichkeit mit der Zeit normalisiert. Auf jeden Fall sind in Frankfurt die Vorurteile bei den Anzugträgern doch etwas zurückgegangen. Ich glaube, dass der Ruf der größten Buchmesse der Welt dazu beiträgt, Cosplay(er) für die „normale“ Bevölkerung auch „normaler“ erscheinen zu lassen. Durch das unmittelbare Zusammentreffen werden Cosplayer für die übrigen Messebesucher „menschlich“.
Jan: Auf jeden Fall ändert sich die Meinung und Einstellung der Presse zu diesem Thema. Früher wurde Cosplay als Spinnerei abgetan, heute wird es tatsächlich immer mehr als tolles Hobby dargestellt. Ich sehe die Entwicklung ähnlich, wie bei den Mangas und Animes. Am Anfang verpönt, ein paar Jahre später als kreatives, innovatives Medium gefeiert.
Koneko: Was wird im nächsten Jahr anders bei der DCM?
Jan: Die Anzahl der Regionalentscheidungen liegt dauerhaft bei zehn, u.a. in folgenden Städten: Ludwigshafen/Rhein, München, Hamburg, Wuppertal, Frankfurt, Berlin und Braunschweig.



